Eine Viking 20 wird umgebaut

Das Boot lag im Allgäu, war nur als Trailerboot ohne festen Liegeplatz auf dem Bodensee unterwegs. Bestückt mit einem viel zu großen Tohatsumotor (50Ps), aber noch mit 2 Jahr Garantie auf den Motor. Die Struktur scheint in gutem Zustand zu sein.

Verdeck, Polsterung, Fahrersessel und Teppichverkleidungen wanderten sofort in den Müll.

Jetzt hieß es wieder einmal, um ein neues Boot rumschleichen und Umbaupläne spinnen.

November/Dezember 2018

Januar  2019

Die ersten Entscheidungen sind gefallen. Der Motor wird verkauft, ebenso der Trailer, die Fenderkörbe und der Fishfinder.

Wir haben einen neuen Motor bestellt, einen Yamaha Schubmotor mit 10 Ps, der uns für die Aufgaben eines Kanalwanderbootes besser geeignet scheint. Ebenso bestellten wir einen Tandemtrailer für mehr Fahrsicherheit auf längeren Fahrstrecken.


Der Umbau beginnt

Alle Türen und Klappen wurden demontiert, angeschliffen, mit Nitrozelluloselack grundiert und mit Mahagonielacklasur gestrichen. Der Lack und die Lasur trocknen extrem schnell auf. lösen sich gegenseitig an, so dass man mit dem Pinsel schöne Holzstrukturen imitieren kann.

Abschliessend kam noch eine Schicht Marineoellack drauf.

Alle Innenausbauten sind in vergilbtem Eiche /hell Funier gehalten. Wir versuchen dem Ausbau eine Mahagonieoptik zu verpassen und gleichzeitig damit die leicht angerissene Lackierung wieder aufzufrischen. Das Ergebniss kommt recht gut, in der Praxis wird es sich beweisen müssen.


Als Material für die Sitzflächen in der Plicht, den Böden innen und außen, dem Toilettenraum und die Wände haben wir uns für Kork entschieden.

Ich kenne zwar nicht das Produkt Marinekork, aber es scheint mir sehr hochpreisig zu sein. Bei der Firma Corkshop in Freiburg sind wir fündig geworden und konnten 6 mm Korkplatten für einen Quadratmeterpreis um die 22.- € erwerben.

Beschreibung des Herstellers:

Dieser Kork in 6mm Stärke besteht aus hoch verdichtetem feinem Korkgranulat.

Abmessung von 90 x 60cm Stärke 6mm massiver Klebekork

Raumgewicht ca. 480kg/m³  

Körnung 0,5 - 2mm

Die Platten sind sehr dicht, homogen und enorm elastisch.

Beim Auftrennen ergeben sich absolut scharfe Schnittkanten.

Wir werden das Material als Alternative ausprobieren.


Die Sitzflächen und Rückenlehnen in der Plicht, oder wie es bei den Motorbootlern heißt - Cockpit, werden auf Marinesperrholz mittels MS - PU Kleber Korkstreifen als Stabdeck aufgeklebt und mit Bostik Ardacolor Flex verfugt.

Die Teakkanten sind ca. 1mm zurückspringend, einerseits um auf die Platten den nötigen Pressdruck ausüben zu können, aber auch, das die Klappen mit der Korkfläche aufliegen, um unnötige Resonanzen zu vermeiden.

Falls diese Bauweise den Praxistest besteht, wäre dies gegenüber der üblichen Stabdecksbauweise eine enorme Zeit - und Arbeitserleichterung.


Apropos Teak -  das Material konnte ich in einem Abbruchhaus demontieren.

Ansonsten würde ich auf die Verwendung von Tropenhölzern verzichten, ausser zur Restaurierung von Klassikerbooten. Der Haltbarkeitsvorteil von Teak gegenüber zb. zu Eiche, besteht sowieso nur bei adultem Holz. Das sogenannte Plantagenholz dürfte eher aus jüngeren Baumbeständen bestehen.

Februar  2019

Jetzt geht es an die Böden in Kajüte und Cockpit. Diese sollen in einzelnen Segmenten aufgeteilt, als Kork/Holz-Sandwichplatten verlegt werden. Auch sollen Sie eine Stabdecksoptik erhalten.

Die Bodenfläche unter dem Eßtisch wird uns erstmal als Musterfläche dienen.

6mm Korkdeckschicht, 5mm Bootsbausperrholz und 6mm Kork als Absperrung. Die Fugen werden mit der Oberfräse erstellt.

Ich werde ersteinmal die Verfugung mit dem Bostikfugenmaterial ausprobieren. Sollte das Ergebniss unbefriedigend sein, werde ich auf bewährtes silanmodifiziertes PU - Fugenmaterial umschwenken.

Das ganze wird schwimmend verlegt und mit den Sockelleisten fixiert.

Ich denke, als Hobbybootsbauer sollte man sich die Freiheit des Experimentierens nicht nehmen lassen. Wer das Woodenboatmagazin kennt, weiß wie unorthodox die Amis oft an technische Aufgabenstellungen herangehen, und immer wieder zu verblüffend guten Ergebnissen kommen. Ich möchte auf dieser Seite meine Erfahrungen mit verschiedenen Korkanwendungen veröffentlichen.

Ein weiterer Einkauf:

Ein kleiner, günstiger Hotelkühlschrank.

Zwar mit wenig Leistung, aber absolut geräuschlos.

Er soll nur nachts mit Landstrom laufen, da wir keine 2 m entfernt davon zu schlafen gedenken.


Wir haben den Fahrstand umgebaut - Lenkung und Schaltung sind in neuer Position, die Pultsabschrägung bekam eine Abstützleiste fürs Kartenmaterial und ein schöneres Steuerrad gabs auch noch dazu.

Eine neue Verkleidung für die Elektrik ist auch schon fertig geworden.

Kabelsalat, Sicherungen und Schaltungen kommen später dran und Landstrom ohne wasserdichte Steckdosen und Fi geht garnicht.

Unter der Rückbank gab es einen feuchten Totraum. Ich hab Ihn mit einer Öffnung versehen. Es kommt eine Klappe dran, ein schöner Stauraum für allerlei Tampen und Festmachern.

Der Einbau der Sitze und Rückenlehnen dauerte gefühlt eine Ewigkeit.  Alle Auflager und Seiten der Bank waren extrem aus dem Winkel und aus dem Wasser. Zum Teil musste ich keilförmig bis zu 3cm auffüttern, um die Flächen auflegen zu können.


Das Boot war mittlerweile beim Bootsservice und wurde auf einen neuen Tandemtrailer gesetzt.

Ebenso wurde ein spezieller Yamaha Schubmotor mit 10 PS montiert.


Inhaltlich aus Yamaha-Info zu Schubmotoren:

Bei gleicher PS-Leistung können Schubmodelle das doppelte Gewicht schieben wie normale Motoren

Spezielle Getriebeuntersetzungen für besonders hohe Schub- und Zugkraft

Schubpropeller für volle Wirksamkeit auch bei Rückwärtsfahrt

Leichtes und einfaches Manövrieren und Aufstoppen

Ideal als Flautenschieber, für Hausboote, zum Wasserwandern, für große Stahlboote und für Segelboote, die mit einem möglichst kleinen und leichten Motor das Boot kraftvoll bewegen möchten.


Ich bin gespannt auf die erste Probefahrt. Auf jeden Fall hat das Boot eine deutlich größere Schraube, auch mit anderer Steigung und die Abgasführung bei Rückwärtsfahrt geht nicht über die Propellernabe.


Anschließend brachten wir das Boot gleich weiter zur Bootssattlerei, wo es jetzt auf ein neues Verdeck und eine neue Persenning wartet.


März/April  2019

Jetzt ging es an die Kajüt - und Decksböden. Nachdem die Erfahrung mit der Probefläche sehr vielversprechend war, fräse ich die Stabdecksfugen des Kajütbodens aus der Korkmatte heraus und verfülle ebenfalls wieder mit dem Bostikfugenmaterial. Auch die Bodenplatten erstelle ich als Sandwich - flexibel und schwer wie eine dicke Gummimatte.

Fazit: Das Deckmaterial ist perfekt zu fräsen und problemlos in der Kantenbearbeitung. Anschließend verfugen, schleifen, ölen, lackieren und fertig. Beim Verfugen gab ich eine negative Vorspannung vor (leichte vorbiegung nach unten)  - das Spezialfugenmaterial hat eine einwandfreie Flankenhaftung, auch bei Biegungen der Platte.

Für unseren Toilettenraum testen wir zwei weitere Produkte, die im Angebot des Corkshops zu finden sind. Das Korkmosaik und den Korkputz, welcher auf Referenzbildern auch als Laufdeckbeschichtung bei Yachten schon eingesetzt wurde. Beide Produkte werden genauso verarbeitet wie klassische Mosaikfliesen und Putze.

Die aufgerauhten Laufdeckflächen bekommen auch eine Korkbelegung, allerdings ohne eingefräste Fugen. Die Stöße für die langen Streifen lassen sich problemlos mit gängigen Epoxyklebern zusammenfügen. Mit der Bandsäge lassen sich die Schweifungen einfach aussägen. Kanten brechen, schleifen, usw. geht wunderbar leicht von der Hand.

Die Bodenfläche ist sehr barfussfreundlich, wasserdicht und optisch auch recht ansprechend. Der Putz klebt wie der Teufel und erleichtert das beschichten auf leicht unebenen Flächen. Ich bin gespannt auf die Dämmeigenschaft und Diffusionsfähigkeit des Materials.

Die Korkaussenflächen behandle ich mit einem Tungholzöllack der Firma Farbmanufaktur Werder, mit deren Farben und Öle ich bisher gute Erfahrung gemacht habe - wieso nicht auch auf dem Boot?

Mai/Juni  2019

Parallel geht es jetzt an die Bodenplatte im Cockpit und an die Korkflächen auf dem Deckhaus. Während die Bodenplatte wieder als Sandwich gebaut wird, werden die anderen beiden 6mm Korkflächen nur eingefräst. Ich hoffe, dass die Fugenfüllungen bei den sehr elastischen Flächen standhalten.























    Hier ein Blick auf die Oberfräsenschablone.


Die Gleitfläche der Oberfräsenführung auf dem zu bearbeitenden Material hab ich aus Plexiglas erstellt, um frühzeitig den Anriss der Fräsendstellung zu erkennen.

Die verfugten Flächen vor dem Schliff. Wer hellere Korkflächen will, muss wohl vor dem ausfräsen ölen, oder lackieren.

Nun ging es daran, aus den vielen Holzresten, welche sich angesammelt hatten, die restlichen Auf - und Einbauten herzustellen. Pläne sind dabei weitgehend überflüssig, es heisst nun, die Maximalmaße zu ermitteln und schauen , was die Holzreste so hergeben.


Ich fing an mit dem Bau des Motorbootmastes. Für Toplicht und Horn musste ein Kabelkanal erstellt werden, ansonsten ergaben sich die weiteren Maße und die Ausformung aus den vorhanden Leisten - und Brettmaßen.


erste Planspiele                                                                                          das Resultat






































                                   





































Als Toplicht besorgten wir uns vorerst ein billiges Modell aus dem Baumarkt.

Um einen vernünftigen und wasserdichten Anschluss an die Stromzuleitung zu erhalten, baute ich noch einen Rahmen aus unserem hochdichten Kork.








Als 2. Projekt der Resteverwertung kam ein Geschirrregal an die Reihe.

Schauen, was das Holz so hergab, ohne größere Bretter anschneiden zu müssen, dann ... was für Beschläge haben wir noch in unserem Sammelsurium und welches Geschirr soll auf's Schiff ?


Ich glaube, das Ergebniss kann sich sehen lassen.

Anfang August können wir das Schiff in der Bootssattlerei abholen. Bis dahin baue ich noch ein paar Regalbretter und einen Klapptisch.

Zeit für ein paar Klebeversuche.

Der Bostikflexmörtel, welcher bei der Verklebungdes Korkmosaiks zum Einsatz kam, hat es mir angetan. Dieses Produkt ist für den Unterwasserbereich konzipiert, Kunststoffmodifiziert und wohl extrem flexibel. Im Sack sind noch Reste und da solche Produkte mehr oder minder stark hygroskopisch sind, sollte man angebrochene Gebinde nicht allzulange aufbewahren.

Das Material unterscheidet sich vom normalen Mörtel schon durch seine pastöse und sehr sämige Konsistenz, hat eher den Charakter eines Klebers.

2 16er Multiplexplattenstreifen werden mit dem 6mm Kork einseitig belegt.

Eine Verklebung mache ich, wie gehabt, mit dem silanmodifizierten Pollymerkleber von Bostik, die zweite Verklebung mit dem Mörtel.















Fazit:

Der Mörtel lässt sich großflächig besser verarbeiten, braucht aber länger zum aushärten. Wie auf dem mittleren Foto erkennbar, hat es den rechten Streifen mit dem Mörtelbett krummgezogen. D.h. bei einer Mörtelverklebung bräuchte es einen Gegenzug. Aber Korkverklebungen auf Holz scheinen mir mit diesem Material durchaus machbar zu sein. Das Regal kommt ins Cockpit, der Langzeittest wird zeigen, was die Verklebung leistet.

Das Brett neben dem krummen Streifen, auf dem mittleren Foto, wurde auch mit dem Mörtel einseitig Korkbelegt, allerdings eine billige 3mm Wandkorkplatte aus dem Baumarkt. Bei diesem Material blieb die Holzplatte stehen.

Rechts oben habe ich eine beschichtete Hartfaserplatte mit 6mm Kork belegt, darunter 2 6mm Streifen direkt verklebt, dann den Holzgriff unserer Gartenmachete mit Kork belegt, sowie 2 Aluplatten zusammengeklebt.





























Alle Verklebungen funktionieren sehr gut und die Elastizität der Verbindung ist enorm.

Allerdings gibt es auch Nachteile. Die Leimfuge ist, falls sichtbar, recht grob und dick und dank dem mineralischen Anteil des Mörtels machen Holzbearbeitungswerkzeuge beim Schneiden schnell schlapp, was deren Schärfe anbelangt.





JULI  2019